Leitbild

Dieses Leitbild gibt in zehn Punkten Auskunft über die Bildungsziele und die erzieherischen Grundsätze der Kantonschule Wiedikon. Die einzelnen Punkte sind gegliedert in Leitsätze, in einen Abschnitt mit Erläuterungen und Präzisierungen zu den Leitsätzen sowie in einen hier nicht publizierten, für den internen Gebrauch an der Schule bestimmten Anhang, in dem Vorschläge zur praktischen Umsetzung der Leitsätze festgehalten sind.
  1. Die Kantonsschule Wiedikon führt im Anschluss an die Primarschule oder an die Sekundarschule zu einer eidgenössisch anerkannten Maturität. Unsere Schülerinnen und Schüler haben die Wahl zwischen zwei sprachlich-literarischen und einem musisch-gestalterischen Profil.

    Der Bildungsgang im Anschluss an die Primarschule dauert sechs Jahre, derjenige im Anschluss an die zweite Klasse der Sekundarschule vier Jahre. Auf der gymnasialen Unterstufe werden die Schülerinnen und Schüler während zweier Jahre optimal auf alle angebotenen Profile vorbereitet.

    Im sprachlich-literarischen Profil liegt der Hauptakzent auf der geistesgeschichtlichen und kulturellen Tradition Europas von der Antike bis in die heutige Zeit. Daraus ergibt sich die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen und mit den Perspektiven für unsere Zukunft. Da in diesem Profil zugleich auch die Schulung im naturwissenschaftlichen Bereich grosses Gewicht hat, ist es eine gute Grundlage für alle an der Universität gelehrten Fachrichtungen.

    Beim musisch-gestalterischen Profil stehen kreative Arbeitsweisen und das ganzheitliche Erfassen von kulturellen Zusammenhängen im Vordergrund. Dieses Profil ist eine gute Vorbereitung für künstlerische Ausbildungen, zum Beispiel an einer Musikhochschule oder an einer Schule für Gestaltung. Auch für die Lehrerausbildung sind mit der umfassenden Allgemeinbildung und den musisch-gestalterischen Schwerpunkten gute Voraussetzungen geschaffen.

  2. Wir fordern von unseren Schülerinnen und Schülern Leistungsbereitschaft im Unterricht und Engagement für gemeinsame kulturelle Tätigkeiten.

    Unsere Gesellschaft braucht positiv denkende, leistungsfähige und leistungswillige Menschen, die ihre Begabungen und Fähigkeiten auch in den Dienst der Allgemeinheit stellen und sie nicht aus Trägheit verkümmern lassen - Menschen, die sich auszeichnen durch ein waches Interesse am Zeitgeschehen und die rege Teilnahme am politischen und kulturellen Leben. Deshalb setzen wir nicht allein während des regulären Unterrichts hohe Erwartungen in die Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler, sondern versuchen auch, mit Theateraufführungen, Konzerten und Ausstellungen, mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und mit sportlichen Veranstaltungen ihren Sinn für Gemeinschaft und für Kultur zu wecken und zu bilden.

  3. Alle Angehörigen der Schule pflegen einen freundlichen Umgang und begegnen einander mit Anstand und gegenseitigem Respekt. Sie behandeln die Einrichtungen und Gegenstände der Schule mit Sorgfalt.

    Anstand und ein freundlicher Umgangston sind selbstverständliche Voraussetzungen für ein gesundes Selbstwertgefühl jedes Einzelnen und für eine gute Zusammenarbeit untereinander. Der rücksichtsvolle Umgang mit dem Mitmenschen und die sorgfältige Behandlung aller Einrichtungen der Schule sind die grundlegenden Voraussetzungen für eine angenehme und förderliche Lernatmosphäre. Deswegen werden Verstösse gegen elementare Regeln des Zusammenlebens geahndet. Die geltenden Normen und Sanktionen sind in der Schulordnung und in der Hausordnung festgelegt.

  4. Im Laufe ihrer Schulzeit wird den Schülerinnen und Schülern immer mehr Verantwortung für sich selbst und für die Gemeinschaft übertragen.

    Die Lehrerschaft der Kantonsschule Wiedikon trägt nach Kräften dazu bei, dass die Jugendlichen zu selbständigen, selbstkritischen und gesellschaftsfähigen Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen können und offen sind gegenüber anderen Meinungen und Kulturen. Die Verantwortung der Schülerinnen und Schüler für sich selbst wie auch für die Schulgemeinschaft wächst entsprechend ihrer Reife.

  5. Die Lehrerinnen und Lehrer erfüllen ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag in enger Zusammenarbeit miteinander und mit den Eltern ihrer Schülerinnen und Schüler. Die Eltern verpflichten sich, die Ideen unseres Leitbilds zu unterstützen.

    Im Rahmen der Erfüllung ihres Erziehungsauftrages ist der Schulleitung und der Lehrerschaft die Zusammenarbeit sowohl miteinander als auch mit den Eltern ein wichtiges Anliegen. Um unsere Aufgabe richtig erfüllen zu können, sind wir auf die stete Kommunikation miteinander und - was die gymnasiale Unter- und Mittelstufe betrifft - auch mit den Eltern unserer Schülerinnen und Schüler angewiesen.

  6. Ein regelmässiger Arbeitsrhythmus ist uns ein wichtiges Anliegen. Er unterstützt Aufmerksamkeit und Konzentration, welche ihrerseits den Bildungsprozess erst ermöglichen.

    Wir wollen uns engagiert und intensiv mit grundlegenden Problemen auseinandersetzen und nicht nur möglichst rasch ein Arbeitspensum erledigen; Schwierigkeiten und Umwege können bereichernde Erfahrungen des Lehrens und Lernens sein. Wir legen Wert auf eine konzentrierte und gründliche Arbeitsweise, bei der Verstand und Gemüt Bedeutung haben. Veranstaltungen wie Exkursionen, Arbeitswochen und Feste setzen besondere Akzente im Schulalltag.

  7. Die Lehrerschaft anerkennt ihre Verpflichtung zur Weiterbildung. Sie ist interessiert an neuen Unterrichtsformen. Sie pflegt Methodenvielfalt und interdisziplinäres Lehren. Sie ist offen für neue didaktische und pädagogische Erkenntnisse und für Anregungen von seiten der Schülerinnen und Schüler.

    Methodenvielfalt im Unterricht ermöglicht fachgerechtes, effektives und abwechslungsreiches Lehren und Lernen. Fächerübergreifender Unterricht trägt zur Erfassung der Welt als Gesamtheit bei und schärft so den Blick für unterschiedliche Normen und grössere Zusammenhänge.

  8. Es ist das Ziel der Lehrerinnen und Lehrer, die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler gerecht zu bewerten.

    Die Lehrerinnen und Lehrer stellen hohe Anforderungen an das fachliche Können ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie beurteilen deren Leistungen nach klaren, nachvollziehbaren und ausgeglichenen Massstäben. Durch Ermutigung, Anleitung zum Lernfortschritt und Beurteilung durch Noten lernen die Schülerinnen und Schüler, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, sucht das Gespräch und wird angehört.

  9. Wer Probleme oder Sorgen hat, wird an unserer Schule nicht im Stich gelassen. Den Schülerinnen und Schülern stehen insbesondere die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer sowie eine besondere Beratungsstelle zur Verfügung.

    Die Erkenntnisse, etwa auf dem Gebiet des Suchtverhaltens und der Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen, haben gezeigt, dass die Möglichkeit, sich bei einer kompetenten Person über ein Problem auszusprechen und dabei Verständnis und fachgerechte Hilfe zu finden, eine nicht zu unterschätzende präventive Wirkung hat.

  10. Unsere Schule ist Teil eines Stadtquartiers. Wir führen kein Inseldasein, sondern suchen und fördern die Zusammenarbeit mit unserer Umgebung.

    Unbekanntes und Fremdes bewirkt oft Misstrauen und Angst. Die meisten von uns sind Fremde und Unbekannte im Quartier zwischen Goldbrunnenplatz und Rebhügel. Um Vorurteile abzubauen, machen wir uns in unserer Umgebung bekannt. Einladungen zu Aktivitäten an der Schule, Gespräche mit den Anwohnern und Kontakte mit der Quartierschule Bühl sind Gelegenheiten, sich gegenseitig kennenzulernen und auf die Anliegen der Nachbarn einzugehen.

Dieses Leitbild ist am 1. Juli 1997 vom Lehrerkonvent der Kantonsschule Wiedikon verabschiedet worden. Version 2012.