Geschichte

Einst Töchterinstitut, heute Kantonsschule für Kunst, Sprachen und Engineering

Gründung 1965

Die spätere Kantonsschule Wiedikon wurde am 27. April 1965 als Töchterschule der Stadt Zürich gegründet, Abteilung V. Anlass war die räumliche Entlastung des Mädchengymnasiums der Hohen Promenade. Als neuer Schulort diente das ehemalige Sekundarschulhaus Bühl B, ein um 1900 entstandenes Gebäude des Architekten und Zürcher Stadtbaumeisters Arnold Geiser. Mit der neuen Abteilung wurde ein länger bestehendes Anliegen erfüllt, eine gut erreichbare Töchterschule auf der westlichen Seite von Limmat und Zürichsee zu haben, insbesondere für die umliegenden Stadtkreise, die Seegemeinden, das Sihltal und Gemeinden des Knonauer Amts. Geführt wurden ein Langgymnasium und ein Unterseminar.

Rasches Wachstum

Zu Beginn war die Schule mit 172 Schülerinnennicht vollständig ausgelastet. Die Zahl der Gymnasiastinnen nahm rasch zu. Im Frühling 1971 startete das Schuljahr mit 773 Schülerinnen. Da weiter mit Wachstum zu rechnen war, erarbeitete der Architekt Hugo Müller 1968 Pläne für eine Erweiterung. Das Zürcher Stimmvolk stimmte dem Projekt am 14. September 1969 zu. Anfang 1973 konnte der Neubau teilweise genutzt werden. Zwischen 1973 und 1975 entstand unter dem Pausenplatz zusätzlich eine Dreifachturnhalle.

Erste Maturitätsprüfungen und Kantonalisierung

Nach der Anerkennung als eidgenössische Maturitätsschule führte die Schule 1969 erstmals eigene Maturitätsprüfungen durch. 1975 beschloss das Zürcher Stimmvolk, die Töchterschule der Stadt Zürich mit ihren fünf Abteilungen dem Kanton zu übertragen. Für die Abteilung V bedeutete dies den Übergang zur Kantonsschule. Wirksam wurde die Kantonalisierung auf das Schuljahr 1976/77.

Musisches Profil und Weiterentwicklung

Das Unterseminar wurde nach der Annahme des Unterrichtsgesetzes ab 1987 zur Lehramtsschule weiterentwickelt. Mit der Einführung des MAR im Jahr 1995 wandelte sich dieser traditionell musisch ausgerichtete Schultyp zu einem Gymnasium mit musischem Profil. An der Matura wird in diesem Profil neben den Grundlagenfächern entweder Musik oder Bildnerisches Gestalten als Schwerpunktfach geprüft. Im Juli 1997 gab sich die Kantonsschule Wiedikon ein Leitbild, das in zehn Punkten die Bildungsziele und die erzieherischen Grundsätze zusammenfasst.

Aufbau des Standortes Hohlstrasse mit FMS

Seit August 2024 gehört zur Kantonsschule Wiedikon auch der Standort Hohlstrasse, den die Schule in den vorangehenden Jahren selbständig aufbaute. Dort werden das gymnasiale PPP-Profil sowie die Fachmittelschule der KWI geführt, die nach der dritten Sekundarklasse beginnt und in drei Jahren zum Fachmittelschulausweis führt. Ein viertes Jahr ermöglicht den Erwerb der Fachmaturität. Damit erweitert die Schule ihr Bildungsangebot über das Gymnasium hinaus und schafft einen zusätzlichen Schulort für praxis- und hochschulorientierte Ausbildungswege.

Heute

Gegenwärtig bereitet die Schule zum einen die Abspaltung ihres Standortes Hohlstrasse zur eigenständigen Kantonsschule Aussersihl (KAS) vor. Die KAS ist bereits gegründet und wird im Herbstsemester 2027/28 operativ ihren Betrieb aufnehmen. Zum anderen reformiert sie im Rahmen der nationalen Projekts Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität (WEGM) ihre Ausbildungsgänge. Die Schule wird ihre sprachlich-künstlerische Ausrichtung behalten und zusätzlich das Schwerpunktfach Engineering anbieten.