Selbstorganisiertes Lernen an der Kantonsschule Wiedikon
"Tout ce qu'on apprend à l'enfant, on l'empêche de l'inventer ou de le découvrir."
Jean Piaget (Alles, was wir einem Kinde beibringen, kann es nicht mehr selbst entdecken.)
Selbstorganisiertes Lernen bedeutet, dass SchülerInnen in einem Fachprojekt ein hohes Mass an Eigenverantwortung für ihren Unterricht übernehmen. Die Verantwortung kann sich auf Themensuche, Planung, Durchführung und Reflexion beziehen. Diese Unterrichtsform wurde an der KWI schon immer eingesetzt. Das jetzige SOL-Projekt zielt darauf hin, dass alle SchülerInnen wiederholt dieser Lernform begegnen, damit sie optimal auf die Maturarbeit vorbereitet sind. Auf dem Weg zur Maturität sollen – gerade mit Hilfe von SOL-Projekten – Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen gefördert und die Neugier und Freude am Lernen geweckt werden.
Im Laufe der sechs Jahre an der Kantonsschule Wiedikon arbeiten die SchülerInnen an mehreren Projekten, in welchen sie die Phasen Planung, Durchführung und Reflexion wiederholt und mit steigendem Schwierigkeitsgrad einüben.
An der KWI werden folgende SOL-Projekte durchgeführt:
| Herbstsemester | Frühlingssemester | |
| 1. Klasse | 1. Werken | 2. Latein |
| 2. Klasse | 3. Französisch | 4. Mathematik |
| 3. Klasse | 5. Englisch | 6. Biologie / Geografie |
| 4. Klasse | 7. Deutsch | 8. Physik Sozialeinsatz |
| 5. Klasse | 9. Geschichte | interdisziplinäres Projekt und Arbeitswoche |
| 6. Klasse | Maturitätsarbeit | – |
Der Stempel
Die SchülerInnen erhalten präzise Aufträge mit handwerklichen und gestalterischen Aufgabenstellungen zum Thema Stempel. Aufgabenblätter, Materialien, Werkzeuge und Auswertungsbögen befinden sich in einer Box im Schulzimmer. Die SchülerInnen arbeiten und organisieren sich während zweier Lektionen selbständig. Die Resultate sowie der Arbeitsprozess sind gut überprüfbar und bewertbar. Nachträglich findet eine Besprechung der Selbstbeurteilung/Fremdbeurteilung mit anschliessender Diskussionsrunde statt (soziale Aspekte, Verbesserungsvorschläge, Feedback).
Die Antike vor der Haustür
Die SchülerInnen erkennen in Zweierteams die Gegenwart der Antike, indem sie "vor ihrer Haustür", das heisst in der Stadt Zürich, ein antikes oder antikisierendes Motiv entdecken, untersuchen, in einem kurzen Handout beschreiben und sich gegenseitig vorstellen. Für die Sequenz sind ungefähr zehn Lektionen vorgesehen.
Die Regionen von Frankreich oder der Romandie
Die SchülerInnen der 2. Klassen lernen die 22 Regionen Frankreichs oder die französischsprachigen Regionen der Schweiz kennen. Nach Erstellung eines Themenkatalogs zur Orientierung bilden sie Gruppen, die sich untereinander organisieren, um die Präsentation einer Region mit Plakat vorzubereiten und durchzuführen. Am Schluss des Projekts werden die Ergebnisse reflektiert.
Vorbereitung auf die Schlussprüfung
Am Ende der zweiten Klasse schreiben die SchülerInnen eine klassenübergreifende Abschlussprüfung über den Mathematikstoff der Unterstufe. In diesem Projekt bereiten sie sich im Selbststudium darauf vor. Dazu werden ihnen Prüfungen aus früheren Jahren, Lösungen und Theoriezusammenfassungen zur Verfügung gestellt.
Dabei sollen sie lernen, auch umfangreiche Lerninhalte selbständig aufzuarbeiten.
Fremdsprachenwerkstatt
Während sechs Lektionen bearbeiten die SchülerInnen paarweise einige Kapitel der Webseite www.fremdsprachen.ch. Sie lernen dabei, Vergleiche zwischen den Sprachen zu ziehen und mit dem Wörterbuch umzugehen. Ausserdem verbessern sie ihre Lesestrategien und beschäftigen sich kreativ mit der Sprache.
Arbeitswoche
Am Ende der dritten Klasse findet die naturwissenschaftliche Arbeitswoche in der Schweiz statt. Je nach Ort wird im Vorfeld ein Hauptthema bestimmt (Tourismus, Ökologie usw.). Für die Arbeitswoche erhalten die SchülerInnen kleine Forschungsaufträge. Sie beschaffen Informationen, werten diese aus und präsentieren die Resultate.
Einführung in die Mediotheksrecherche anhand eines literarischen Werks
Durch das Projekt "Einführung in die Mediotheksrecherche anhand eines literarischen Werks" üben die SchülerInnen die Suche nach geeigneter Sekundärliteratur und passenden Quellen sowie das korrekte Zitieren. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit den MediothekarInnen durchgeführt. Die SchülerInnen schreiben einen Arbeitsrapport, verfassen am Schluss einen Text und präsentieren die Ergebnisse ihrer Arbeit in Gruppen.
Leitprogramm Wurf
Mit einem Leitprogramm zum Thema Wurfbewegung, das heisst mit schriftlich zur Verfügung gestellter Theorie und Aufgabenbeispielen, erarbeiten sich die SchülerInnen die Inhalte von senkrechtem und waagrechtem Wurf selbständig. Als Abschluss wird das Thema schriftlich geprüft.
Das politische System der Schweiz
Im ersten Teil des Projekts verfassen die SchülerInnen in Vierergruppen einen Fragenkatalog zu den Grundlagen des politischen Systems der Schweiz. Das Vorgehen ist arbeitsteilig, die Resultate werden innerhalb der Gruppe ausgetauscht und diskutiert. Die Lehrperson ergänzt den Fragenkatalog falls nötig.
Im zweiten Teil erstellt jede Gruppe aufgrund eines vorgegebenen Kriterienrasters ein Profil einer Partei (Regierungspartei, sonstige starke Partei). Die gewonnenen Erkenntnisse werden der Klasse präsentiert.
- SOL-Seite des Mittelschul- und Berufsbildungsamts
- Die SOL-Seite des Instituts für Gymnasial- und Berufspädagogik enthält u. a. Downloads zum Thema
Herold, Martin, Landherr, Birgit (Hg.): SOL. Selbstorganisiertes Lernen. Ein systemischer Ansatz für den Unterricht. Praxisband 1. Deutsch, Englisch, Mathematik, Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaft und Recht, Schneider Verlag, Hohengehren, 2005
Klippert, Heinz: Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen: Bausteine für den Fachunterricht. 5., unveränderte Auflage, Beltz, Weinheim/Basel, 2007
Winter, Felix: Selbst organisiertes Lernen SOL. Leistungsbeurteilung in Projekten des selbst organisierten Lernens.
Eine Handreichung für Lehrpersonen an den Gymnasien des Kantons Zürich, Mittelschul- und Berufsbildungsamt (Hg.), Zürich, 2009

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