Zu dieser Produktion

Auch dieses Mal war die erste Hürde einmal mehr, überhaupt ein Stück zu finden, das ausschließlich weiblichen Darstellern gerecht werden sollte. Annette Aellig drückt mir ein Jugendtheaterstück namens «Creeps» in die Hand (im Klett-Verlag erschienen): eine männliche Off-Stimme und drei Schülerinnen im Alter von 16-17 Jahren sind die Rollen. Wir haben zehn Schauspielerinnen und die Lösung des Problems liegt auf der Hand: Wir schneiden das Stück in drei Staffeln und nehmen eine "Geschlechtsumwandlung" bei der Offstimme vor.

Wir bringen also Fernsehen auf die Theaterbühne. Zwei komplementäre Gegenwelten. «Creeps» heißt Schauder oder Gruseln, könnte aber auch "Krebs" gelesen werden. Wovor schaudert uns denn? Im Theater werden Gefühle durch Schauspieler gespielt. Das ist im (Privat-)Fernsehen schon lange nicht mehr genug, um im Kampf um Einschaltquoten und Werbeverträge mithalten zu können. Echte Live-Gefühle wollen ununterbrochen eingefangen werden. Tränen, Wut und ausgelassene Freude werden seit BigBrother, MusicStar, TopStars, Germany's next Topmodel, oder wie die Reality-TV Sendungen mit Castingprofil alle heißen, von ganzen Nationen in perfekt inszenierten Parallelwelten mitgelebt. Deren Akteure sind keine Schauspieler, werden aber zur profitablen Austauchware mit Verfallsdatum.

Eine nur auf den ersten Blick kleine Produktion, denn von der ersten Probe Samstagmorgen bis zur Premiere, vom ersten Bühnenbildentwurf bis zum letzten Einkauf bei Ikea, von der ersten Filmaufnahme bis zum letzten Filmschnitt, von Kostümen bis Schminke, von Werbung bis Abendkasse und auch von Sekretariat bis Hausdienst haben sich dann schlussendlich doch sehr viele SchülerInnen und   LehrerInnen unserer Schule für das Umsetzen und Gelingen der Theater AG 2008/09 eingesetzt (siehe Mitwirkende). Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle im Namen unserer Schule ausdrücklich und nachhaltig meinen Dank aussprechen!

 

Boris Haufler