Meinungen
Klasse 5g - die zufriedenen Pioniere der KWI Nein, eine Gruppe von Genies und Streber seien sie nicht, antworten die Anwesenden unisono. Einige LehrerInnen hätten aber offensichtlich schon das Gefühl, da die Klasse freiwillig Immersion gewählt habe, sei sie unendlich wissbegierig und aufnahmefähig. Es werde manchmal nicht begriffen, dass das Unterrichtsniveau nicht noch zusätzlich erhöht werden müsse - die Klasse sei bereits genügend gefordert durch den fremdsprachigen Unterricht. Auf die Frage, ob sich der Unterricht - abgesehen von der Unterrichtssprache - vom regulären Unterricht unterscheide, heisst es: «Man muss genauer hinhören wenn etwas erklärt wird. Die Kommunikation mit der Lehrkraft ist teilweise schon erschwert - das Fragestellen ist umständlicher wegen den sprachlichen Hürden - dafür überlegt man sich seine Frage oftmals auch besser.» Das Sprachniveau der Lehrperson sei schon sehr wichtig, meinen die SchülerInnen. Zwar müsse das Englisch nicht unbedingt perfekt sein, aber die Person müsse sich gut und verständlich ausdrücken können in der Fremdsprache. Die Hemmschwelle, sich des Englischen zu bedienen, sei deutlich gesunken, erklärt ein Schüler. Bei der Diskussion eines mathematischen Problems beispielsweise unterhalte man sich manchmal auch ausserhalb des Unterrichts ganz automatisch auf Englisch. Niemand der angesprochenen SchülerInnen hat das Gefühl, wegen des Immersionsunterrichts Stoff zu verpassen oder sonst irgendwie benachteiligt zu werden. Im Gegenteil - die Klasse wirkt sehr zufrieden. Es würden sich denn auch restlos alle Anwesenden wieder für den Weg der zweisprachigen Matura entscheiden, müssten sie nochmals wählen. In den Startlöchern: Die Klasse 3g - die nächstfolgende Immersionsklasse Für das 3g beginnt der Immersionsunterricht nach den Sommerferien mit Mathematik auf Englisch. Das Gespräch mit der Klasse zeigt, welche Faktoren die Jugendlichen für oder gegen den Immersionsunterricht entscheiden liessen. Pro-Argumente lauten: Mehr Abwechslung erfahren, spannenderen Unterricht geniessen, etwas Neues probieren. Auch scheint es vielen wichtig zu sein, Englisch flüssiger zu sprechen und besser anwenden zu können. Fürs Studium seien gute Englischkenntnisse ein grosser Vorteil, wird angeführt. Diese Argumente leuchten allen in der Klasse ein. Martin Hefti - unterrichtet seit längerem Biologie auf Englisch Wie sieht der Immersionsunterricht aus der Perspektive der beteiligten Lehrkräfte aus? Ein Gespräch mit dem Biologielehrer Martin Hefti soll einige Inputs bringen. Hefti ist insofern ein Spezialfall, als dass er mit Englisch als Muttersprache aufgewachsen ist. Die Frage, ob die Anforderungen an die SchülerInnen in den Immersionsklassen etwas höher seien, beantwortet er klar mit einem Ja. Er mache fachlich keine Abstriche, habe aber eine etwas andere thematische Reihenfolge gewählt. Überfordert kommen ihm die SchülerInnen nicht vor, wohl aber gefordert. Die Jugendlichen hätten offensichtlich Spass an der Sache, und die konsequente Verwendung der Unterrichtssprache Englisch werde nicht im Geringsten in Frage gestellt, berichtet Hefti. Auf die für den Immersionsunterricht vorausgesetzte sprachliche Leistungsfähigkeit angesprochen meint Martin Hefti, die SchülerInnen sollten schon mindestens eine 4.5 im Englisch haben. Das heisse aber nicht, dass sich nur Personen mit Noten zwischen fünf und sechs für die zweisprachige Matura eignen würden. Fast noch wichtiger sei nach seiner Meinung, dass die Leute das Interesse mitbrächten, ihre Sprachkompetenz zu steigern und bereit seien, dafür einen gewissen Mehreinsatz zu leisten. So könne jemandem im Immersionsunterricht unter Umständen sprachlich sogar richtig «der Knopf aufgehen». |

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